In der Auseinandersetzung um den deutschen Synodalen Weg deutet sich möglicherweise eine bemerkenswerte Entwicklung an. Während Rom weiterhin auf verbindliche Zusagen der deutschen Bischöfe wartet, schlägt die Führung der Deutschen Bischofskonferenz versöhnlichere Töne an. Zeigt die zurückhaltende, aber bestimmte Linie Papst Leos XIV. erste Wirkung?
Bei einer Ansprache vor europäischen Bischöfen in Salzburg hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, ausdrücklich die volle Gemeinschaft der deutschen Kirche mit dem Papst bekräftigt. Man wolle dem kirchlichen Lehramt treu bleiben und das geltende Kirchenrecht achten. Ein deutscher Sonderweg, der die Kirche in Deutschland von der Weltkirche entfremden könnte, komme nicht infrage.
Was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, erhält vor dem Hintergrund der vergangenen Jahre besonderes Gewicht. Schließlich hat der Synodale Weg mit seinen Forderungen nach grundlegenden Veränderungen in der kirchlichen Leitungsstruktur, der Sexualmoral und der Ausübung bischöflicher Autorität wiederholt erhebliche Spannungen mit dem Vatikan ausgelöst.
Unter Papst Leo XIV. scheint nun eine gewisse Ernüchterung einzusetzen. Die geplante dauerhafte Synodalkonferenz verfügt weiterhin nicht über die erforderliche römische Zustimmung. Ihre ursprünglich für November vorgesehene Einrichtung wurde verschoben. Zugleich bemüht sich die deutsche Bischofsspitze offenbar stärker darum, ihre Reformbestrebungen ausdrücklich innerhalb der Grenzen der kirchlichen Gemeinschaft zu verorten.
Darin könnte sich eine erste Wirkung des Regierungsstils Leos XIV. zeigen. Anders als bei den teilweise öffentlich ausgetragenen Konflikten unter seinem Vorgänger Franziskus setzt der neue Papst bislang eher auf geduldige Gespräche, institutionelle Klarheit und zurückhaltende Autorität.
Allerdings wäre es verfrüht, bereits von einer tatsächlichen Kurskorrektur zu sprechen. Wilmer hat die Reformziele des Synodalen Weges keineswegs aufgegeben. Auch bedeutet eine versöhnlichere Sprache noch keine Bereitschaft, umstrittene Forderungen zurückzunehmen.
Die entscheidende Bewährungsprobe steht deshalb noch aus: Werden die deutschen Bischöfe ein mögliches Nein aus Rom tatsächlich akzeptieren? Oder betrachten sie päpstliche Entscheidungen weiterhin als Ausgangspunkt neuer Verhandlungen?
Echte Synodalität kann jedenfalls nicht bedeuten, dass einzelne Nationalkirchen ihren eigenen Weg unabhängig vom kirchlichen Lehramt bestimmen. Sie muss sich vielmehr in der Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri vollziehen – cum Petro et sub Petro. Sollte es Leo XIV. gelingen, diese Einsicht ohne öffentliche Machtkämpfe wieder stärker zur Geltung zu bringen, wäre das ein beachtlicher Erfolg seines Pontifikats.




