Nun soll also auch das Messbuch dem Zeitgeist unterworfen werden. Marius Linnenborn, Leiter des umstrittenen Deutschen Liturgischen Instituts, kündigt für die geplante Neuausgabe eine möglichst „inklusive“ Sprache an. Auch mit „stark männlich geprägten Gottesbildern“ wolle man künftig „achtsam umgehen“. (Quelle)
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Jesus selbst hat zu seinem Vater gebetet und nicht zu einer der vielen Zwitter- oder Muttergöttinnen, die es damals auch gab. Zweitausend Jahre lang betet die Kirche zu Gott, dem Vater, und bekennt Jesus Christus als seinen Sohn. Nun scheint selbst die Sprache der göttlichen Offenbarung unter Genderverdacht zu stehen. Was Christus uns über seinen Vater gelehrt hat, muss offenbar erst durch die Sprachpolizei des kirchlichen Funktionärswesens.
Besonders aufschlussreich ist, dass man ausgerechnet dort, wo sprachliche Genauigkeit tatsächlich geboten wäre, offenbar wenig Eifer zeigt. Das lateinische „pro multis“ in den Wandlungsworten bedeutet unzweideutig „für viele“. Dennoch hält Linnenborn eine Entscheidung der deutschsprachigen Bischöfe zugunsten des bisherigen „für alle“ für wahrscheinlich. Dass Benedikt XVI. ausdrücklich auf der korrekten Übersetzung „für viele“ bestanden hatte, scheint dabei kaum noch eine Rolle zu spielen. Welch bemerkenswerte Prioritätensetzung: Bei der Gendergerechtigkeit soll jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden, bei den heiligsten Worten der Messe darf man es mit dem lateinischen Original offenbar großzügiger nehmen.
Dabei ist die Liturgie von ihrer Grundidee kein Experimentierfeld gesellschaftspolitischer Moden, sondern Ausdruck des überlieferten Glaubens. Wer ihre Sprache nach den Empfindlichkeiten des jeweiligen Zeitgeistes zurechtschneidet, riskiert, am Ende auch ihren Glaubensinhalt zu verstümmeln.
Vielleicht sollte man den Verantwortlichen in Trier gelegentlich in Erinnerung rufen: Nicht Gott hat sich unserer wirren Genderideologie anzupassen. Wir haben uns seiner Offenbarung zu unterwerfen.




