Immer mehr Menschen lassen sich nach ihrem Tod einäschern, auch unter Katholiken ist die Feuerbestattung längst selbstverständlich geworden. Doch entspricht diese Entwicklung tatsächlich dem christlichen Menschenbild? Die katholische Publizistin Felizitas Küble erinnert in einem ausführlichen Beitrag daran, weshalb die Kirche seit ihren Anfängen der Erdbestattung den Vorzug gibt – und warum dies keineswegs nur eine Frage alter Traditionen ist.
Rund drei Viertel aller Verstorbenen werden in Deutschland inzwischen eingeäschert, in manchen Regionen liegt der Anteil sogar bei über 90 Prozent. Eine Entwicklung, die nach Ansicht der katholischen Publizistin Felizitas Küble nicht unabhängig vom fortschreitenden Verlust des christlichen Glaubens betrachtet werden kann. In ihrem zum Allerheiligenfest veröffentlichten Beitrag im Christlichen Forum zeichnet sie die Geschichte der Bestattungskultur nach und erinnert an deren tief verwurzelte theologische Bedeutung.
Denn für das Christentum ist der menschliche Leib keineswegs eine bloße Hülle, die nach dem Tod möglichst unkompliziert beseitigt werden könnte. Er ist durch die Taufe geheiligt, Tempel des Heiligen Geistes und zur Auferstehung bestimmt. Gerade deshalb betrachteten bereits die ersten Christen die würdige Beisetzung ihrer Toten als selbstverständliche Pflicht. Selbst während der römischen Verfolgungen nahmen sie erhebliche Gefahren auf sich, um ihre Verstorbenen in den Katakomben zu bestatten.
Was die Kirche tatsächlich lehrt
Besonders bemerkenswert ist Kübles Hinweis auf die vatikanische Instruktion Ad resurgendum cum Christo aus dem Jahr 2016, die unter Kardinal Gerhard Ludwig Müller als Präfekten der Glaubenskongregation veröffentlicht wurde. Darin bekräftigt Rom ausdrücklich den Vorrang der traditionellen Erdbestattung.
Zwar erlaubt die katholische Kirche seit 1963 unter bestimmten Voraussetzungen auch die Feuerbestattung, sofern damit keine Ablehnung des christlichen Glaubens verbunden ist. An ihrer grundsätzlichen Bevorzugung der Beerdigung hat sich jedoch nichts geändert. Die Beisetzung des Leichnams bringt den Glauben an die Auferstehung des Fleisches besonders deutlich zum Ausdruck.
Auch das Verstreuen der Asche in der Natur oder ihre Aufbewahrung als Erinnerungsstück widerspricht grundsätzlich den kirchlichen Vorschriften. Der christliche Glaube kennt eben keine Auflösung des Menschen in einem unpersönlichen Naturkreislauf, sondern erwartet die Auferstehung der ganzen Person.
Eine vergessene Dimension katholischer Tradition
Küble erinnert zudem daran, dass die Feuerbestattung im 19. Jahrhundert teilweise bewusst als Gegenmodell zur christlichen Begräbniskultur propagiert wurde. Heute dürften dagegen häufig praktische und finanzielle Erwägungen ausschlaggebend sein. Doch gerade darin liegt eine Frage, der sich auch Katholiken stellen sollten: Darf die Behandlung des menschlichen Leichnams allein nach Gesichtspunkten der Zweckmäßigkeit entschieden werden?
Für Freunde der überlieferten Liturgie besitzt diese Frage eine besondere Bedeutung. Das traditionelle Requiem, die Gebete der Absolutio und die feierliche Beisetzung des Leichnams bilden eine Einheit, in der die Kirche nicht nur um das Seelenheil des Verstorbenen bittet, sondern zugleich ihre Hoffnung auf die leibliche Auferstehung bekennt.
Gerade zu Allerseelen verdient deshalb eine Wahrheit neue Aufmerksamkeit, die im kirchlichen Alltag vielfach in Vergessenheit geraten ist: Die Würde des menschlichen Leibes endet nicht mit dem Tod. Und die christliche Begräbniskultur ist weit mehr als ein überkommenes Brauchtum. Sie ist ein öffentliches Bekenntnis zum Glauben an das ewige Leben.
Quelle und weiterführende Lektüre: Felizitas Küble, Von der Würde des menschlichen Leibes: Argumente für die Erdbestattung, Christliches Forum, 1. November 2026.





