una voce online

Otto Premingers monumentaler Film „Der Kardinal“ aus dem Jahr 1963 ist derzeit in der ARTE-Mediathek zu sehen. Für Freunde der überlieferten römischen Liturgie ist das Hollywood-Epos ein außergewöhnliches Erlebnis: Es bewahrt in eindrucksvollen Bildern die Schönheit und sakrale Würde des katholischen Gottesdienstes unmittelbar vor den großen liturgischen Umbrüchen der Nachkonzilszeit.

Der Film erzählt den Lebensweg des amerikanischen Priesters Stephen Fermoyle bis zu seiner Erhebung zum Kardinal. Doch neben den menschlichen, moralischen und politischen Konflikten sind es vor allem die liturgischen Szenen, die heute faszinieren. Premingers Kamera verweilt auf den Altären und Chorräumen, auf den sorgfältig angelegten Messgewändern, den Chormänteln und Mitren, auf den Prozessionen des Klerus, den Kniebeugen und Segensgesten. Lateinische Gebete, Gregorianischer Choral und aufsteigender Weihrauch prägen eine sakrale Welt, in der jede Bewegung ihren festen Platz hat. Nichts wirkt improvisiert, nichts auf den Augenblick berechnet. Die Liturgie spricht ihre eigene Sprache.

Bereits die Priesterweihe Fermoyles, gedreht in der Zisterzienserabtei Casamari, vermittelt etwas von dieser selbstverständlichen Würde des überlieferten Ritus. Ihren eigentlichen Höhepunkt erreichen die liturgischen Darstellungen jedoch bei der Bischofsweihe in der römischen Dominikanerbasilika Santa Maria sopra Minerva.

Hier entfaltet sich vor dem Zuschauer die ganze Feierlichkeit des traditionellen Pontifikalzeremoniells: Der Weihekandidat liegt während der Allerheiligenlitanei ausgestreckt vor dem Altar. Es folgen die Handauflegung und die weiteren Weihehandlungen, die feierlichen Gebete und Segnungen. Mitra, Ring und Hirtenstab verweisen auf die geistliche Würde und Verantwortung des neuen Bischofs. Zahlreiche assistierende Geistliche, ihre genau festgelegten Bewegungen, der liturgische Gesang und das feierliche Schreiten verbinden sich mit der Architektur des Kirchenraums zu einem eindrucksvollen Ganzen.

Gerade die Ruhe dieser Zeremonien beeindruckt. Preminger lässt seiner Kamera Zeit, verweilt bei den einzelnen Handlungen und verzichtet darauf, das Geschehen durch dramatische Effekte zu überformen. Der Weihekandidat, bislang Hauptfigur des Films, tritt gleichsam hinter dem Ritus zurück. Sichtbar wird eine zentrale Wahrheit katholischen Liturgieverständnisses: Nicht der Mensch verfügt über das Heilige, sondern er empfängt, was ihm durch die Kirche anvertraut wird. Das Amt ist größer als sein Träger.

Dass diese Szenen so authentisch wirken, ist kein Zufall. Gedreht wurde an kirchlichen Originalschauplätzen, unter Mitwirkung von Priestern und Ordensleuten. Die Produktion bewegte sich noch mitten in jener katholischen Welt, deren Liturgie sie darstellte. Was wir sehen, ist keine nachträgliche Rekonstruktion einer längst vergangenen Zeremonialkultur, sondern deren filmische Darstellung zu einer Zeit, als sie noch lebendige Selbstverständlichkeit war.

Als Der Kardinal 1963 erschien, standen die tiefgreifenden Veränderungen der Liturgie erst bevor. Wenige Jahre später sollten viele der hier gezeigten Formen aus dem gewöhnlichen kirchlichen Leben weitgehend verschwinden.

So hat ausgerechnet ein jüdischer Hollywoodregisseur, ohne dies beabsichtigt zu haben, eines der eindrucksvollsten filmischen Denkmäler der überlieferten römischen Liturgie geschaffen. Preminger erklärt ihre Schönheit nicht. Er zeigt, wie der katholische Glaube in Stein und Seide, in Gesang und Schweigen, in Licht und Weihrauch sichtbare Gestalt annimmt.

Ein Film, den Freunde der klassischen römischen Liturgie nicht verpassen sollten.

„Der Kardinal“ in der ARTE-Mediathek ansehen

Trending