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Papst Leo XIV. hat am 5. September 2026 Erzbischof Georg Gänswein in Privataudienz empfangen. Der frühere Privatsekretär Benedikts XVI. ist seit Juni 2024 Apostolischer Nuntius in Litauen, Lettland und Estland. Über den Inhalt des Gesprächs machte das vatikanische Presseamt keine Angaben. Es war bereits die zweite private Audienz Gänsweins bei Leo XIV. seit dessen Wahl; zuvor hatte der Papst ihn am 12. Dezember 2025 empfangen.

Über die diplomatischen Aufgaben Gänsweins hinaus verdient das Treffen auch unter liturgischem Gesichtspunkt Aufmerksamkeit. Gänswein gehört aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit an der Seite Benedikts XVI. zu den wichtigsten noch lebenden unmittelbaren Zeugen von dessen liturgischem Denken und insbesondere der Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Motu proprio Summorum Pontificum von 2007. Erst im vergangenen Juli hatte er in einem Interview erneut betont, Benedikt habe mit Summorum Pontificum einer Liturgie, die niemals abgeschafft worden sei, wieder ihren legitimen Platz in der Kirche sichern wollen. Die durch Traditionis custodes unter Papst Franziskus eingeführten Beschränkungen hätten Benedikt, so Gänswein, „Schmerz im Herzen“ bereitet. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass die Zeit für eine Lockerung dieser Restriktionen gekommen sein könnte.

Die neuerliche Audienz fügt sich damit in eine Reihe von Begegnungen Leos XIV. mit Persönlichkeiten ein, die der klassischen römischen Liturgie verbunden sind. Dazu gehören insbesondere Kardinal Raymond Leo Burke und Bischof Athanasius Schneider. Nach Angaben Schneiders berichtete Leo XIV. ihm zudem von jungen Konvertiten, die gerade durch die traditionelle Liturgie zur katholischen Kirche gefunden hätten.

Aus der Audienz Gänsweins lässt sich freilich noch keine bevorstehende Änderung von Traditionis custodes ableiten. Bemerkenswert bleibt jedoch, dass Leo XIV. offenkundig bereit ist, auch jene Stimmen anzuhören, die das liturgische Erbe Benedikts XVI. vertreten und für eine Überwindung der seit 2021 verhängten Restriktionen eintreten. Gerade Gänswein dürfte dabei als langjähriger engster Mitarbeiter Benedikts ein Gesprächspartner von besonderem Gewicht sein.

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